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[Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung] Seit sie mir musikalisch beim Highfield dieses Jahr über den Weg gelaufen sind, habe ich ihre beiden Alben rauf und runter gehört und mich mega auf das Konzert in Berlin gefreut: RAZZ! So der Name meiner Auserwählten.

Dieses war nun aber ein ganz besonderer Auftritt, da kein exklusives Razz-Konzert. Die Jungs absolvierten diese Tour zusammen mit Abay (nein, das spricht man ausnahmsweise mal nicht Englisch aus),  von denen ich zugegebenermaßen vorher noch nie etwas gehört hatte. Aber wer hier an Friede, Freude, Eierkuchen denkt, der irrt! Ein Joint Concert war das Ganze nämlich nicht, tatsächlich fußte es auf einem Zwist, der ausgefochten werden musste.

Irgendwann bei einem Festival in Berlin traten beide mit einer etwas ungünstigen Überschneidung auf parallelen Bühnen auf, worüber Sänger Aydo Abay auf eben jener Bühne lauthals seinen Unmut preisgab. Seitdem war von Schlagabtausch über Facebook bis zu „Abay sucks“-Shirts alles dabei. Nun wurde es Zeit, das ganze auf die Bühne zu verlagern!! Eine davon sollte der Heimathafen in Berlin-Neukölln sein.

Die Location: Heimathafen

Ich kannte die Bühne schon als Standardspielstätte von TV Noir und habe mich demnach sehr gefreut, dass Razz diese für ihren Auftritt gewählt hatten. Der Heimathafen ist wie so ein altes Vintage-Theater, sehr charmant, im Stile einer Volksspielstätte und nicht zu groß. Ziemlich passend für eine Indieband, die mit düster-emotionalem Rock daherkommt und mich durchaus etwas an meine früheren Gothic-Zeiten erinnert. Also auch kein Wunder, dass der Großteil des Publikums in einem dezenten Schwarz gekleidet war. Auch konnte man die Razz- und Abay-Fans ziemlich gut auseinanderhalten. Die deutlich jüngere Generation war ohne Zweifel Team Razz, oft auch erkennbar an den schicken minimalistischen Bandshirts (auf die ich ziemlich neidisch war).

Part I: Polish Club

Diesmal solo unterwegs, bewaffnet mit NIN-Shirt und Geld für eventuelles Merchandise landete ich etwas verspätet im Heimathafen und polterte direkt in den Auftritt der Vorband Polish Club. Was ich zwischen Bier holen und erstmal Ankommen so mitbekam, war solider Rock’n Roll mit mächtig Krawumms und jazzigen Anleihen, wofür die Stimme von Sänger David Novak sorgte (wie schon erwähnt, ich bin kein Musikexperte und hab eigentlich gar keine Ahnung). Dieser trug klischeemäßig passend dazu ein Hemd mit Leodruck. Musikalisch ist Polish Club definitiv tanzbar und ein guter Auftakt für das Dreierkonzert. Das Duo stammt übrigens aus Sydney und hat sich selbst erst im Jahr 2014 gegründet.

Polish Club in concert

Offizielle Webseite Polish Club

Part II: ABAY

Ich gebe zu, dass ich keine Ahnung hatte, wer Abay waren und auch im Voraus nicht in die Alben reingehört hatte. Ich wollte diese Band einfach mal ganz ohne vorgefertigte Meinung auf mich wirken lassen und etwaige Assoziationen und Emotionen aus der Musik heraus kommen lassen. Sänger Aydo Abay startete direkt mit einer angenehmen soliden Bühnenpräsenz durch und ich muss sagen, dass diese Band mich durchaus gecatcht hat. Sind direkt auf meinem Spotify gelandet. Ohne auch nur einen Song zu kennen, musste ich mich direkt bewegen und tatsächlich auf die Bühne statt auf mein Smartphone starren.

Ich würde Abay als ziemlich epischen Indierock bezeichnen. Bestes Beispiel ist möglicherweise der Song „The Queen is dead“, der ordentlich reinknallt und doch gleichzeitig so herrlich melancholisch ist. Und – haha, bitte Abay tötet mich nicht – aber es war meine erste unvoreingenommene Assoziation – es sind halt einfach Ähnlichkeiten zu Placebo da. *duck* Wie ich bei meiner Nachrecherche rausgefunden habe, bin ich natürlich nicht die einzige, die jemals Aydo Abay mit Placebo-Frontman Brian Molko in Verbindung gebracht. Aber hey, es gibt schlimmere Vergleiche! Placebo hin oder her – mich haben Abay jedenfalls abgeholt und es ist sicherlich nicht das letzte Mal, dass ich diese Band live auf der Bühne gesehen habe. Danke für die Party!

Abay in concert

Offizielle Webseite ABAY

Part III: RAZZ

Nicht ganz so unvoreingenommen wie bei Abay war ich beim Auftritt von Razz. Aufgefallen sind mir die vier Jungs aus dem Emsland das erste Mal beim Highfield Festival dieses Jahr, woraufhin ich mir sofort beide ihrer bisherigen Alben reinziehen musste. Diese liefen dann fortan auf Dauerschleife in meinen Ohren, weil jedes. einzelne. Lied. einfach. ein Ohrwurm ist! Mega groß also meine Erwartung, sie bei ihrer eigenen Tour live auf der Bühne zu sehen. Ihr könnt euch denken, dass diese nicht enttäuscht wurden! Mal abgesehen vom etwas gewöhnungsbedürftigen Licht, dass dafür sorgte, dass man die meiste Zeit nur dunkelblaue Schatten sah, war der Auftritt ziemlich groß und gleichzeitig sehr intim. Die Band ging ohne irgendwelche Allüren mit uns um, vielmehr war es so, als wären wir alle eine große Familie.

Sänger Niklas hat weder die Unnahbarkeit eines Ville Valo von HIM noch die Mick-Jagger-Rock-n-Roll-Attitüde eines Björn Dixgård von Mando Diao. (Mit denen sie übrigens schonmal auf Tour waren). Niklas wirkt souverän, aber zurückhaltend und ein bisschen so, als könne er die Aufmerksamkeit um ihn nicht ganz fassen. Dazu muss man sagen, dass die Jungs eben auch erst Anfang 20 sind und mit zwei Alben noch nicht ganz die großen Hallen füllen. Und so sehr ich ihnen den ganz großen Erfolg gönne, so sehr hoffe ich doch, dass sie diese süße und sympathische Art für sich behalten können. Musikalisch dürften alle Hardcore-Fans und Newcomer auf ihre Kosten gekommen sein. Mit bekannten Songs wie „Black Feathers“ und „Let It in, Let It out“ neben melancholischen Balladen wie dem großartigen „Another Heart/Another Mind „stand so ziemlich die ganze Bandbreite auf dem Programm. Was zugegebenermaßen bei zwei Alben auch wunderbar machbar ist. Zugaben mag die Band übrigens nicht – es wird einfach weiter gespielt. Mega down to earth eben!

Razz in concert

Offizielle Webseite RAZZ

Q&A

Hast du dir denn jetzt noch Merch gekauft?

Klaro, musste sein. Ich bin definitiv völlig verliebt in mein neues Razz-Shirt, exklusiv gekauft von Drummer Lukas.

Hast du die Band noch kennengelernt?

Niklas Kaiser von Razz und ichHaha, das war unerwartet, aber ja. Wie gesagt war ich nun alleine auf dem Konzert, hatte aber Bock, mich danach noch ein bisschen mit den Fans auszutauschen. Bin dann vor dem Club in ein Grüppchen geraten, wovon – wie sich später rausstellte – die Hälfte Freunde der Band waren. Die kam dann auch noch dazu und es blieb ein bisschen sehr schöne Zeit zum zwanglosen Abhängen und Fotos machen.

War es einfach, in die ersten Reihen zu kommen?

Ziemlich einfach. Die ersten Reihen waren wie ein großer Dancefloor, ohne zu überfüllt zu sein. Absolut kein Gedränge! Wer Bock hatte (und den hatte ich), konnte einfach so nach vorne.

Haben RAZZ und ABAY sich jetzt wieder lieb?

Ich glaube, die mochten sich tatsächlich schon immer und haben uns mit den Verfeindungen total hinters Licht geführt. Aber spätestens jetzt nach der gemeinsamen Tour sind sie natürlich ein Herz und eine Seele.

Würdest du wieder hin?

Ein definitives und klares yes! Und zwar bitte so schnell wie möglich! Tatsächlich habe ich kurz überlegt, jetzt einfach Groupie der Band zu werden und ihnen überall hinterherzureisen. Ein Razz-Shirt hätte ich ja jetzt und Beweisfotos mit Niklas auch!!! …  Naja gut, vielleicht bei der nächsten Tour.

RAZZ – Let It In, Let It Out (Official Video)

Ich würde liebend, liebend gerne ein paar Kommentare von denjenigen lesen, die auch bei der Tour dabei waren. Wo wart ihr? Für welche Band wart ihr da? Was denkt ihr über Placebo? Auch wenn’s euch nicht gefallen hat, dürft ihr posten. Denkt nur bitte dran, nett zu sein. RAZZ und ABAY haben das schließlich auch irgendwie wieder hingekriegt.

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