Close

festivalvibes

fv
alligatoah tour 2019 Berlin

Mit Alligatoah-Konzerten ist das ja grundsätzlich so: Ich bin da. Mindestens 1x pro Tour triffst du mich dort an. Also theoretisch zumindest, wenn nicht knapp 10.000 Menschen pro Stadt genauso denken würden, und ich daher in den Menschenmassen eher schwer zu finden bin. Wie auch immer: In Berlin hättest du mich theoretisch antreffen können. Und zwar nicht am Zusatzkonzert, sondern direkt am ersten Termin, dem 2. Februar 2019 in der Max-Schmeling-Halle in Berlin.

(Falls noch unklar ist, wieso Alligatoah und ich so gut miteinander können, lies mal hier nach.)

Das Ritual

Bevor ich in den musikalischen Kern der Sache starte, noch ein kleines Vorspiel. Wenn du Konzertgänger bist, dann hast du mit Sicherheit auch eines: ein Ritual. Also etwas, das du vor jedem Konzert tust und deine Vorfreude auf den Besuch nochmal steigert. Das dir zweifellos „gleich gehts los“ anzeigt und sich lustigerweise schon zu einer richtigen Tradition gemausert hat. Auch ich habe sowas. Mein Ritual, bestehend aus vier Punkten:

  1. Spätestens drei Stunden vor Konzertbesuch die aktuelle Mucke des Künstlers rauf und runter hören. Wenn möglich in voller Lautstärke.
  2. Vorher schon genau wissen, was ich anziehe, und mich dann doch grundsätzlich 5x umziehen. Jedes. Verdammte. Mal.
  3. Drinks für den Weg/zum Anstehen. Meine BFF und ich haben uns mittlerweile auf Hugo und Secco in der Dose eingependelt.
  4. Zwischen 30 Minuten und 1,5 Stunden anstehen, irgendwann nichts mehr zu trinken haben und deswegen mehr rauchen.

Klingt vernünftig, oder? Für dieses Mal muss ich allerdings zugeben, nicht alle Traditionen strikt geachtet zu haben. Grund dafür war, dass meine BFF ausnahmsweise nicht dabei sein konnte, sondern mich mein (ohne Zweifel) konzertbegeisterter Freund zum ersten Mal begleitete. Auf den Dosensecco in Punkt 3 durfte er zugunsten eines Bieres verzichten. Und Punkt 4:

Der Support

„Wer reitet noch so spät durch Nacht und Wind?“ Dies beschreibt unsere Ankunft ziemlich treffend, denn ich muss gestehen, dass wir die Vorband (oder besser den Vorrapper) verpasst haben. Ich habe mir aber sagen lassen, dass es Dazzle war, der Alligatoah auf seiner gesamten Tour begleitete. Und sicher war das auch ganz wunderbar. Wer mehr weiß, darf gerne das Kommentarfeld unten nutzen.

Die Location

Knapp über 11.000 Leute passen in die Max-Schmeling-Halle im Berliner Prenzlauer Berg. Eigentlich eine Sporthalle, mit Rängen und mehreren Ebenen ausgestattet definitiv eine Location nach meinem Geschmack. Der Größe nach angemessen gibt es mehrere Garderoben, die ganz einfach und offen zugänglich sind (SO geht das Columbiahalle!). Wartezeiten sind überall überschaubar bis gar nicht vorhanden, sei es vor den zahlreichen Getränkeständen oder auch an den Toiletten. Tickets gab’s entweder für die Ränge zum Sitzen oder für den unteren Stehbereich. Letzteren wählte ich selbstverständlich (Achtung, Ticket nicht wegwerfen, sonst kommt man nicht runter), weil Sitzen bei Alligatoah???

Alligatoah wie zuhause LiftBoiBasti

Meine Meinung zur Max-Schmeling-Halle: 1 mit Sternchen. Ja, ich finde die Location super. Denn dafür, dass wirklich viele Menschen reinpassen und entsprechend auch drin sind, hat man trotzdem immer Platz und gute Sicht, letztendlich völlig egal, wo man steht. Und noch wichtiger: Egal, wann man kommt. Wir kamen wirklich erst zu den letzten Tönen des Supports (sorry Dazzle) in der Halle an und fanden trotzdem direkt ein sehr gutes Plätzchen etwas an der Seite, im vorderen Drittel. Genug Platz, um bequem und ohne Gedränge zwischendurch die Bar unten aufzusuchen.

Alligatoah – das Konzert

Wer ein Alligatoah-Konzert besucht, kann sich zu 100% sicher sein, dass er unterhaltungstechnisch voll auf seine Kosten kommt. Auch auf seiner Wie-Zuhause-Tour hat der Figaro des Schauspielrap wieder ordentlich dick aufgetragen, eine fulminante Bühnenkulisse hervorgezaubert und sich würdevoll in Schale geworfen. Das Bühnenbild bestand aus einem Hotel, elegant, im Stile der 30er(?) Jahre, das denn auch sogleich als „Hotel Kaliforniah“ betitelt wurde. (Und wie könnte es anders sein, war dies dann auch der Rausschmeißer-Song zum Abbau.) Ohne Mist, es gab sogar eine stilisierte Bar!

Der Meister selbst hüllte sich in eine Art kanariengelben Frack, auf den Balkonen rechts und links die Bandmitglieder stilecht in ebenso gelben Frotteebademänteln und Adiletten gekleidet. Natürlich performte Alligatoah seine Songs nicht allein – sein vormals als BattleBoiBasti bekannter und diesmal als LiftBoiBasti angekündigter Lakai ließ wieder einmal so allerhand Schandtaten über sich ergehen.

Durchdachte Performance

„Performen“ ist beim Herrn Gatoah sodann auch stets das richtige Wort. Songs werden nicht einfach nur gesungen, sie werden geschauspielert. Die sowieso schon wortwitzigen und kunstvollen Lyrics in eine Theatershow verpackt. Die Setlist eine solide Mischung aus neuen Songs und alten Klassikern, wobei die aktuelle Platte „Schlaftabletten, Rotwein V“ definitiv überwiegte. Von „Alli-Alligatoah“ über „Lass Liegen“ und „Hass“ bis zu „Du bist schön“ dürften hier nicht zuletzt auch Alligatoah-Neulinge auf ihre Kosten gekommen sein. 

Von der ersten bis zur letzten Sekunde eine exzellent durchdachte Unterhaltungsshow, die spaßiger wohl nicht sein könnte. Und hier dürften sich dann auch die Kritiker zu Wort melden wollen (zu geplant! wo ist die Improvisation!), denn natürlich ist Alligatoah schon lange kein Pausenhof-Rapper mehr, sondern ein höchst professioneller Künstler, der weiß, wie er sein Publikum an der Stange hält. Langweilig wurde es dementsprechend keine Sekunde – hier war Durchfeiern, Mitsingen und Tanzen angesagt. Für mich mit jeder Tour erneut ganz großes Kino. Äh Theater.

Alligatoah – LIVE Wie Zuhause Tour (Full Concert | Multicam-Mix)

Offizielle Webseite des Künstlers

Im Sinne von „Ich kann beide Seiten verstehen“ und „meinungsfrei unterwegs“ dürft ihr gerne eure eigene Meinung vertreten und mir in die Kommentare posten, wie ihr den Meister in Aktion für euch erlebt habt.

Leave a comment

Your name
Your email address
Website URL

Comment